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Maradona: Nach dem WM-Debakel die Schlammschlacht
Buenos Aires (dpa) - Einen Tag nach dem Rauswurf als argentinischer Nationaltrainer hat Diego Maradona sein Schweigen gebrochen und eine Schlammschlacht eröffnet.
Der mächtige Präsident des nationalen Verbandes AFA, Julio Grondona, habe ihn «belogen», sein Co-Trainer Carlos Bilardo gar «betrogen», sagte der deprimiert wirkende Ex-Trainer bei einer vom Blatt abgelesenen Erklärung vor der Presse. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Bilardo verlangte «Beweise» und Grondona warf Maradona «Arroganz» vor. «Alle kämpfen jetzt um eine weiße Weste, aber das wird niemandem gelingen, denn sie sitzen doch alle im selben Morast», kommentierte die Zeitung «La Nación» sarkastisch.
Äußerlich gefasst bekannte Maradona, dass ihn die 0:4-WM-Pleite gegen Deutschland «immer noch in der Seele schmerzt». Wie schon bei der WM trat der 49-Jährige in feinem Zwirn auf, der so gar nicht zu seinem oft unflätigen Auftreten passt. Und auch der Ton seiner vorbereiteten Erklärung war überraschend. Keine Beleidigungen, keine Kraftausdrücke, nur Bitterkeit. Argentinische Journalisten äußerten im Fernsehen sofort die Vermutung, Berater könnten Maradona die Erklärung aufgeschrieben und zugleich geraten haben, nur ja keine Fragen zuzulassen, weil er sich sonst gleich wieder durch einen Wutausbruch angreifbar gemacht hätte.
Ein Wort der Selbstkritik kam Maradona nicht über die Lippen. Mit Gefühl, Spontaneität und Improvisation aber nur unzureichender taktischer Planung und mangelnder Kenntnis der jeweiligen Gegner konnte das trotz seiner Edelkicker nicht gut gehen. Das 2008 bei seiner Ernennung zum Nationalcoach geschmiedete Zweckbündnis mit Grondona und Bilardo hätte nur durch einen WM-Triumph halten können. Nach der Niederlage wurden die Masken abgenommen - und die jahrzehntealten Feindschaften sichtbar.
Grondona leitet die AFA schon seit 31 Jahren und viele halten ihn für einen verschlagenen Charakter. Seine Winkelzüge und verdeckten Aktionen haben ihm schon lange den nicht gerade schmeichelhaften Beinamen «Mafia-Pate» eingetragen. Diesen Titel hat er niemandem anderem als Maradona selbst zu verdanken. Der 78-Jährige, der keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit zeigt, werde sein Amt nur wie ein Papst aufgeben: durch den Tod, lästern viele Argentinier. Im argentinischen Fußball liege vieles im Argen, und das werde sich erst bessern, wenn Grondona nicht mehr sei, lautet eine der schärfsten Angriffe auf den «Padrino». Und wer hat das nun gesagt? Der selbe Bilardo vor wenig mehr als zwei Jahren, der jetzt mit Grondona wieder ganz dicke ist und den Nachfolger von Maradona ausknobelt.
Maradona berichtete etwas weinerlich, Grondona habe ihm doch nach dem WM-Aus noch gleich in der Kabine vor Zeugen gesagt, er, Maradona, dürfe Trainer bleiben. Das habe Grondona auch nach der Rückkehr in die Heimat wiederholt, jedoch dann verlangt, es müssten sieben seiner Mitarbeiter ausgetauscht werden. «Das war so, als ob er mir gesagt hätte, ich solle gehen», sagte Maradona und fügte mit dramatischen Augenaufschlag hinzu, «wer so etwas vorschlägt, muss gedacht haben, ich würde meine Mitarbeiter verraten. Und warum haben sie das gedacht? Weil sie es selbst getan hätten. Aber nicht mit mir.» Als ob er nicht immer gewusst hätte, mit wem er es zu tun hatte.
Grondona hatte sogar noch vollmundig angekündigt: «Maradona ist der einzige Argentinier, der machen kann, was er will». Aber wohl nur, wenn er zufällig gerade das will, was der Pate will. Die AFA hatte den Vertrag Maradonas nicht verlängert, weil er eben diese Änderungen in seinem Mitarbeiterstab abgelehnt hatte.
Auch Bilardo bekam sein Fett weg. «Während wir trauerten (über das WM-Ausscheiden), hat Bilardo im Schatten dafür gesorgt, dass ich rausfliege», giftete das Fußballidol. Bilardo konterte: «Das soll er mal beweisen». Der Trainer, 1986 Weltmeister mit Argentinien, ist auch nicht gerade für seinen guten Geschmack bekannt. Er werde sich «von hinten nehmen lassen», versprach der frühere Frauenarzt für den Fall des WM-Titels für Argentinien. Eigentlich hatte er versprochen, wenn Maradona geht, dann gehe auch er. Schnee von gestern. Maradona habe ja gar nicht gehen müssen, meinte er und blieb.
Maradona warnte zum Schluss seiner Vorstellung theatralisch: «Vergesst nicht, dass im Umfeld der Nationalelf der Verrat immer hinter der nächsten Ecke lauert. Und dass es da viele Menschen gibt, denen der Fußball egal ist, sondern die nur an ihr Bankkonto denken.» Das aber beklagen argentinische Fußballfans schon seit Jahren.
Nun denkt Maradona offenbar ans Auswandern. Die «Hand Gottes» könne eventuell als Trainer zu einem brasilianischen Club gehen, sagte der Maradona-Vertraute Alejandro Mancuso der brasilianischen Zeitung «Folha de Sao Paulo». Er habe mit Maradona schon darüber gesprochen, fügte Mancuso hinzu, der zum WM-Team Maradonas gehörte und mit ihm zusammen vor die Tür gesetzt worden war.
Auf die Frage, ob denn überhaupt Angebote aus Brasilien vorlägen, antwortete Mancuso ausweichend: «Vielleicht. Vielleicht ja. Frage mich dazu jetzt nicht weiter». Grundsätzlich meinte Mancuso zur Zukunft Maradonas, da sei noch nichts entschieden. «Wir bleiben zusammen und werden jetzt erstmal die Möglichkeiten sichten, die es gibt. Wir werden uns ausruhen und die besten Vorschläge analysieren», fügte Mancuso hinzu.


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