Berlin (dpa) - Etwa jede 30. Krebserkrankung weltweit ist nach Expertenangaben auf chronischen Alkoholkonsum zurückzuführen. Die Deutsche Hauptstelle (DHS) für Suchtfragen hat deshalb am Dienstag in Berlin erneut vor dem Missbrauch von Bier, Wein oder Schnaps gewarnt.
Jeder Bundesbürger trinke durchschnittlich zehn Liter reinen Alkohol pro Jahr. Deutschland belege damit weltweit den fünften Platz. Es gebe 3,3 Millionen Abhängige und «Missbrauchskonsumenten». «Die Alkoholkultur in Deutschland ist ein nationales Desaster», sagte DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann. Wenn ein Erwachsener pro Jahr drei Liter reinen Alkohol trinke, sei dies schon «mehr als genug».
Chronischer Alkoholkonsum sei jährlich für 3,6 Prozent der weltweiten Krebserkrankungen verantwortlich, sagte der ärztliche Direktor des Heidelberger Krankenhauses Salem, Helmut K. Seitz. Wer täglich 50 Gramm reinen Alkohol trinke, was etwa einem halben Liter Wein entspreche, trage ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, an Krebs im Mund-Rachen-Raum oder in der Speiseröhre zu erkranken. Bei mehr als 80 Gramm sei das Risiko von Speiseröhrenkrebs 18-fach erhöht. Beim gemeinsamen Konsum von Alkohol und Zigaretten steige dieses Krebsrisiko sogar um einen Faktor von 44 an.
Alkohol schade dem gesamten Organismus, betonten die Experten. Gefährdet seien neben Mundhöhle und Speiseröhre auch Magen, Dünndarm, Leber, der gesamte Stoffwechsel, Herz, Blutkreislauf und das Immunsystem. Auch das Skelett und die Skelettmuskulatur sowie das Nervensystem seien einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Die Empfehlung der DHS für einen risikoarmen Alkoholkonsum lautet: Frauen sollten pro Tag nicht mehr als 0,3 Liter Bier oder 0,15 Liter Wein oder Sekt trinken - allerdings an nicht mehr als fünf Tagen in der Woche. Bei Männern liegt der Grenzwert doppelt so hoch.
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